Überweidung durch Kühe und Schafe, der Klimawandel und seine Folgen sowie rücksichtslose Autofahrer gefährden die Welsh-Pony-Herden von Südwales. Kaum mehr als eine Handvoll Freiwillige haben es sich zur Aufgabe gemacht, sich um das Wohl der rund 130 Ponys zu kümmern.
Natürliche Ressourcen versiegen
Diane Cole aus Caerphilly in Südwales ist eine von ihnen. Sommer wie Winter versorgt sie gemeinsam mit anderen "Hungry Herds"-Mitgliedern die Tiere – ganz egal bei welchem Wetter. In diesem Jahr war die Hitze besonders extrem. So extrem, dass die Bäche austrockneten und den Ponys überhaupt keine natürlichen Wasserquellen mehr zur Verfügung standen.

„Wir haben Badewannen voller Trinkwasser zu den Hengsten, Stuten und ihren neugeborenen Fohlen gebracht“, erzählt Diane. „Sie kamen sofort im Galopp auf uns zu – so durstig waren sie schon.” Im Winter müssen die Tiere drei Mal pro Woche mit Heulage gefüttert werden.
Kräftezehrende Einsätze und hoher Finanzbedarf
Die Einsätze sind körperlich anstregend und verlangen von den Freiwilligen viel Engagement und Einsatzbereitschaft. Sie kosten aber auch viel Geld: Rund 6.500 Pfund, in etwa 7.000 Schweizer Franken, benötigt "Hungry Herds" allein für die Heulage im Winter. Hinzu kommen Versicherungen und Reparaturen am Fahrzeug.

Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Auf die Unterstützung der Einheimischen und lokaler Unternehmen kann sie zählen. Die Unterstützer werden über lokale Social-Media-Gruppen in der Region erreicht. „Dazu halten viele Besucher spontan an, wenn sie uns bei den Ponys sehen und sagen uns, wie gut wir unsere Arbeit machen“, berichtet Diane. “Das freut und motiviert uns."

“Zusätzliche Unterstützung kommt von großen Tierschutzorganisationen wie der angesehenen Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA), dem Donkey Sanctuary sowie den Pferdeschutzorganisationen Redwings Horse Sanctuary und World Horse Welfare. „Diese Organisationen sind nicht nur für unser finanzielles Überleben entscheidend“, erklärt Diane. „Wir tauschen auch wichtige Informationen und Daten mit ihnen aus, damit die Gesamtsituation der Herden besser überwacht werden kann.“
“Es macht uns glücklich zu sehen, wie sich der Gesundheitszustand der Ponies verbessert.”
Grund für die Gründung von Hungry Herds als Verein 2017 war der teilweise besorgniserregende Gesundheitszustand der Ponys. Stumpfes Fell, hervorstehende Rippen sowie eingefallen Rücken und Nierenpartien machten die Mangelernährung deutlich. Heute werden die Tiere bis zu drei Mal die Woche mit Heulage gefüttert.

“Es macht uns glücklich zu sehen, wie sich der Gesundheitszustand der Ponies dank unserer Arbeit verbessert”, sagt Shannon Livingstone, die ebenfalls schon lange bei "Hungry Herds" dabei ist.. “Zu vielen von ihnen bauen wir eine emotionale Bindung auf, schliesslich sehen wir sie mehrmals im Monat und dann erleben wir auch die Geburt ihrer Fohlen mit.”
Tragischer Tod auf der Strasse
Doch zu diesen schönen Erinnerungen mischen sich auch tragische Ereignisse. Der Lebensraum der Ponys ist nicht geschützt. So führen zahlreiche, kurvige Strassen durch die hügelige Landschaft.

Besonders im Herbst ist Nebel ein Problem. Erst in diesem Herbst wurde ein im Frühjahr geborenes Fohlen von einem Auto überfahren. Obwohl Fahrer auch bei Unfällen mit Tieren per Gesetz verpflichtet sind anzuhalten und den Unfall zu melden, geschieht dies, wie in diesem Fall oft nicht. Das kleine Hengstfohlen starb auf der Strasse. Wie lange es nach dem Unfall noch am Leben war, ist ungewiss. Die Mutter suchte tagelang verzweifelt nach ihm. Auch die Freiwilligen von "Hungry Herds" halfen bei der Suche.

Zwar konnten Spuren des Fahrzeugs am Unfallort gesichert werden, doch zum Unfallfahrer führten sie bislang nicht. Kurze Zeit später starb ein ausgewachsenen Pony bei einer Kollision mit einem Fahrzeug.
Umweltsünden als Gesundheitsbedrohung
Eine weitere, weit weniger offensichtliche, aber dafür nicht weniger bedrohliche Gefahrenquelle ist der Müll. Säckeweise Abfall sammeln die Freiwilligen ein, darunter illegal entsorgte Elektroartikel, an denen sich die Pferde verletzen können. Entsorgte Lebensmittel werden zudem gefressen und führen zu lebensbedrohlichen Koliken. Davon abgesehen verschandelt er auch die bei Touristen beliebte Region.

Tourismusattraktion Südwales
Das Zuhause der Welsh-Ponies, die Region nördlich der walisischen Hauptstadt Cardiff, ist geprägt von grün-schimmernden, sanften Hügeln und weiten Hochflächen. Die pittoresken Orte Bargoed und Gelligaer sind der beste Ausgangspunkt für eine Begegnung mit den widerständigen Ponys. Am ehesten sind sie oberhalb von Merhy Common und Gelligaer Common anzutreffen.

Insider-Tipp: Besucher, die Hungry Herds während ihres Aufenthalts unterstützen möchten, können im Bedlinog Inn Pub im gleichnamigen Ort ein Bier, tolles Essen geniessen und im dazugehörigen Bed & Breakfast übernachten. Die Besitzer geben von Ihrem Trinkgeld gerne etwas an die Ponys ab.



















