Kateryna Bielikova mit Viktor, dem Hund einer Freundin, vor zwei ihrer Acryl-Portraits. Das Foto entstand in den USA: 
Kateryna Bielikova mit Viktor, dem Hund einer Freundin, vor zwei ihrer Acryl-Portraits. Das Foto entstand in den USA: 
Lifestyle & Reise

"Meine Kunst sucht Heilung, Widerstandskraft und Menschlichkeit."

Kateryna Bielikova hat Pferdezucht studiert. Das Malen hat sich selber beigebracht. Sie hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.

Welche Verbindung hast du zu Pferden?

Schon bevor ich sprechen konnte, faszinierte mich alles, was einem Pferd ähnelte – Spielzeug, Zeichnungen, Fotos. Später bin ich Pferden in der Vereinigung junger Biologen im Zoo von Mykolajiw und durch verscheidenen Reitaktivitäten tatsächlich näher gekommen. An Turnieren war ich dabei nie sonderlich interessiert. Was mich wirklich fesselte, war die stille Kommunikation beim Putzen, Spazierengehen oder einfach beim Zusammensein mit dem Pferd. Für mich ging es immer um Partnerschaft, gegenseitiges Verständnis und Respekt. Später wurde diese Liebe zum Beruf. Heute verbinde ich meinen künstlerischen und meinen wissenschaftlichern Hintergrund. So kann ich nicht nur die Anatomie und die Bewegung abbilden, sondern auch die Individualität und die Seele des Pferdes, das ich male.

Kateryna at work on a painting of a Friesian horse.

Warum sind Pferde ein zentrales Thema in deiner Kunst?

Als ich in der Zeit des post­sowjetischen Umbruchs aufwuchs, hatte ich nur begrenzten Zugang zu Pferdebildern, wie sie für westliche Kinder selbstverständlich waren. Durch diesen Mangel entstand Wunsch, von den wenigen Bildern, die ich finden konnte, abzumalen  – einfach, um sie mir zu erhalten. Für mich sind Pferde die schönsten aller Tiere, auch wenn ich alle Tiere liebe. Ich möchte sie nicht nur abzubilden, sondern ihre innere Präsenz und körperliche Integrität zum Ausdruck bringen – jene stille Würde, die jedes Pferd einzigartig macht.

Die Künstlerin mit ihrem Model, Orlow-Traber Sky, und dessen Besitzerin. Das Bild wurde am ukrainischen Unabhängigkeitstag aufgenommen.

Welche Art von Kunst machst du?

Ich bin eine autodidaktische Multimediakünstlerin und arbeite mit Acryl, Bleistift, Tinte, Aquarell, Gouache und Öl. Mein Prozess orientiert sich nicht an akademischer Tradition, sondern an Beobachtung und Studium, insbesondere der Tieranatomie. Jedes Medium ist eine eigene Sprache: Ich wähle dasjenige, das Rhythmus, Textur und Licht des Motivs am besten vermittelt. Was meine Arbeiten verbindet, ist ein ständiges Streben nach Ehrlichkeit. Ich möchte das Wesen des Tieres darstellen und keinstatisches Bild.

Wie hat der Krieg deine Arbeit verändert?

Der Krieg hat sowohl die Bedeutung als auch die Aufgabe meiner Kunst grundlegend verändert. Es gibt Phasen, in denen ich mich völlig ausgelaugt fühle, doch das Schaffen bleibt für mich ein Weg zu überleben – und ein Weg, anderen beim Überleben zu helfen. Mit einem Teil der Erlöse aus meinen Kunstverkäufen unterstütze ich vom Krieg betroffene Tiere in der Ukraine und im Ausland. Das ist nicht nur reine Wohltätigkeit, sondern eine Fortsetzung meiner akademischen Laufbahn und eine moralische Pflicht.

Künstlerisch hat mich der Krieg zu Veränderungen gedrängt. Ich habe begonnen, neue Medien zu erkunden, insbesondere die Aquarellmalerei, und mehr Helligkeit in meine Farbpalette zu bringen. Meine Kunst zielt nicht mehr ausschließlich darauf ab, Schönheit darzustellen; sie sucht nun Heilung, Widerstandskraft und Menschlichkeit. Sie ist zugleich Ausdruck – und Widerstand.

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